Apple Watch und Gesundheit

Apple Watch soll Blutzucker messen: Das ist der aktuelle Stand von Apples Langzeit-Projekt

Die Apple Watch kann vieles messen, aber noch keinen Blutzucker. Laut Bloomberg arbeitet Apple dennoch weiter an einer nicht-invasiven Lösung – mit neuer Führung und vielen offenen Fragen.

Von   Uhr

Die Apple Watch soll irgendwann Blutzuckerwerte erkennen können, ohne dass Nutzer sich in den Finger stechen oder einen klassischen Sensor tragen müssen. Dieses Ziel begleitet Apple offenbar schon seit der Steve-Jobs-Ära. Kurz vor der WWDC 2026 rückt das Projekt wieder in den Fokus – nicht, weil eine baldige Ankündigung erwartet wird, sondern weil Bloomberg über eine neue Führungsstruktur im Team berichtet.

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Quickread: Auf einen Blick
  • Apple arbeitet offenbar seit mehr als 15 Jahren an Blutzuckermessung ohne Nadel.
  • Laut Bloomberg hat das Projekt intern eine neue Führung bekommen.
  • Eine Ankündigung zur WWDC 2026 gilt trotzdem nicht als wahrscheinlich.
  • Die Technik müsste sehr genau, klein und regulatorisch zugelassen sein.
  • Aktuell ersetzt die Apple Watch keine Blutzuckermessgeräte oder CGM-Systeme.

Ein neuer Chef für ein altes Ziel

Laut Bloomberg hat Apple die Verantwortung für das Blutzucker-Projekt intern neu verteilt. Demnach soll nicht mehr Plattform-Architekturchef Tim Millet die direkte Aufsicht haben, sondern Zongjian Chen, ein leitender Ingenieur aus Apples Advanced Technologies Group. Innerhalb des Unternehmens werde dieser Wechsel offenbar als positives Signal gewertet, weil Chen als Manager gilt, der komplexe Technologien näher an marktreife Produkte bringen kann.

Bestätigt ist damit aber keine neue Apple-Watch-Funktion. Apple selbst hat keine Blutzuckermessung für die Uhr angekündigt. Auch für die WWDC 2026 wäre eine solche Enthüllung überraschend: Die Entwicklerkonferenz dreht sich traditionell vor allem um Software, Betriebssysteme und Entwicklerwerkzeuge. Ein medizinisch relevanter Sensor wäre dagegen ein Hardware- und Zulassungsthema.

Warum die Technik so schwierig ist

Der Reiz des Projekts liegt auf der Hand. Menschen mit Diabetes messen ihren Blutzucker heute häufig per Fingerstich oder über kontinuierliche Glukosemesssysteme, die mit einem Sensor in oder auf der Haut arbeiten. Eine Apple Watch, die vergleichbare Informationen ohne Nadel liefern könnte, wäre für viele Betroffene deutlich komfortabler.

Technisch geht es Berichten zufolge um optische Messverfahren. Vereinfacht gesagt würde Licht in die Haut geschickt und anschließend ausgewertet, wie Glukose in der Zwischengewebsflüssigkeit bestimmte Wellenlängen beeinflusst. Aus diesen Daten müsste ein Algorithmus dann auf den Blutzuckerwert oder zumindest auf relevante Veränderungen schließen.

Optische Absorptionsspektroskopie erklärt!

Bei der optischen Absorptionsspektroskopie wird Licht in Gewebe geschickt und anschließend ausgewertet, welche Wellenlängen absorbiert oder reflektiert werden. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf bestimmte Stoffe ziehen. Für Blutzucker wäre entscheidend, ob Glukose zuverlässig genug erkannt werden kann – auch bei Bewegung, unterschiedlichen Hauttypen und im kleinen Gehäuse einer Smartwatch.

Genau hier liegt das Problem. Die Messung muss nicht nur im Labor funktionieren, sondern am Handgelenk, bei unterschiedlichen Hauttypen, Temperaturen, Bewegungen und Tragegewohnheiten. Dazu kommt: Bei Diabetes geht es nicht um grobe Fitnessdaten, sondern um Werte, aus denen Menschen gesundheitliche Entscheidungen ableiten könnten. Entsprechend hoch wären die Anforderungen an Genauigkeit, Verlässlichkeit und regulatorische Freigaben.

Seit 2010 in Arbeit

Das Projekt soll intern unter dem Codenamen „E5“ laufen und bis ins Jahr 2010 zurückreichen. Damals soll Apple das Unternehmen RareLight übernommen haben, das an nicht-invasiver Blutzuckermessung arbeitete. Später berichteten CNBC und Bloomberg wiederholt über Apples Pläne, unter anderem über ein kleines Team in Palo Alto, Machbarkeitsstudien und Prototypen.

2023 hieß es, Apple habe einen wichtigen Proof of Concept erreicht. Der damalige Prototyp soll aber noch deutlich zu groß für eine Apple Watch gewesen sein. In früheren Berichten war von einem Gerät in etwa iPhone-Größe die Rede, das am Arm getragen werden konnte. Der eigentliche Sprung besteht daher nicht nur darin, Glukose optisch zu erkennen, sondern auch darin, die gesamte Technik in ein kleines, stromsparendes und dauerhaft tragbares Uhrengehäuse zu bringen.

Warum Apple trotzdem daran festhält

Gesundheitsfunktionen sind für die Apple Watch längst ein zentraler Teil des Produkts. Herzfrequenzmessung, EKG-Funktion, Sturzerkennung, Temperaturdaten und Blutsauerstoffmessung haben die Uhr von einem iPhone-Zubehör zu einem Gesundheitsgerät im Alltag gemacht. Eine Blutzuckerfunktion wäre der nächste große Schritt – allerdings auch der riskanteste.

Apple könnte zunächst vorsichtiger starten. Denkbar wäre etwa eine Funktion, die keine exakten medizinischen Blutzuckerwerte ausgibt, sondern Trends erkennt oder Hinweise auf mögliche Auffälligkeiten liefert. Berichten zufolge hat Apple auch an Software gearbeitet, die Menschen mit Prädiabetes helfen soll, den Zusammenhang zwischen Ernährung und Blutzuckerverhalten besser zu verstehen. Solche Ansätze wären weniger spektakulär als eine vollwertige Messfunktion, könnten aber regulatorisch und technisch realistischer sein.

Keine falsche Hoffnung für die nächste Apple Watch

Der Führungswechsel ist deshalb interessant, aber kein Hinweis auf einen Start in diesem oder im nächsten Jahr. Bloomberg hatte noch 2025 berichtet, dass eine nicht-invasive Blutzuckermessung für die Apple Watch weiterhin viele Jahre entfernt sein könnte. Auch die neue Personalie ändert daran vorerst nichts.

Für Menschen mit Diabetes bedeutet das: Die Apple Watch bleibt aktuell kein Ersatz für zugelassene Messsysteme. Wer Blutzuckerwerte medizinisch überwachen muss, sollte weiterhin auf etablierte Geräte und ärztliche Empfehlungen setzen. Apples Projekt zeigt aber, wohin sich Wearables langfristig bewegen könnten – weg von reinen Fitnesswerten, hin zu Gesundheitsdaten, die deutlich tiefer in den Alltag eingreifen.

Für die WWDC ist das Thema trotzdem relevant. Nicht, weil Apple dort zwingend neue Sensorhardware zeigen müsste. Sondern weil das Unternehmen bei watchOS, Health-App und KI-Auswertung die Grundlagen schaffen könnte, auf denen solche Funktionen später aufbauen. Die eigentliche Blutzucker-Uhr ist offenbar noch nicht da. Aber sie bleibt eines der wichtigsten Langzeitprojekte rund um die Apple Watch.

Unsere Einschätzung

Stefan Keller
Das Blutzucker-Projekt ist eines dieser Apple-Themen, bei denen Erwartung und Realität besonders weit auseinanderliegen. Der Nutzen wäre enorm, gerade für Menschen mit Diabetes oder Prädiabetes. Gleichzeitig ist die Hürde höher als bei vielen bisherigen Apple-Watch-Funktionen.

Der gemeldete Führungswechsel ist deshalb eher als Zeichen zu verstehen, dass Apple das Projekt weiter priorisiert – nicht als Vorbote einer kurzfristigen Ankündigung. Eine nicht-invasive Blutzuckermessung müsste im Alltag extrem zuverlässig funktionieren, medizinischen Anforderungen genügen und in ein kleines, stromsparendes Gerät passen. Genau diese Kombination macht das Vorhaben so schwierig.

Für die WWDC ist das Thema trotzdem relevant. Apple könnte mit watchOS, Health-App und KI-gestützter Auswertung weitere Grundlagen legen, ohne direkt einen neuen Sensor vorzustellen. Realistischer als eine vollwertige Blutzuckermessung wäre zunächst eine Funktion, die Trends, Ernährungsmuster oder Risikohinweise besser einordnet.

Die wichtigste Einordnung bleibt: Eine Apple Watch mit echter Blutzuckermessung wäre ein großer Schritt – aber noch kein Produkt, mit dem Betroffene kurzfristig rechnen sollten.

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